post Kategorie: Sportpolitik post Kommentare (0) post30. Januar 2018

Die Stadt Köln hat die Grundlagen ihrer integrativen Sportentwicklungsplanung (SEP) vorgestellt. Dazu war eine Online-Befragung durchgeführt worden, an der sich rund 2.500 vorwiegend sportaffine Kölnerinnen und Kölner beteiligt haben. Am Ende des Prozesses soll nicht ein schöner Plan stehen, der im Schrank verschwindet, sondern fünf konkrete Pilotprojekte sollen beispielhaft durchgeführt werden.

Durch den neuen Eingang über den Alter Markt ging es Ende Januar in die Piazetta des Historischen Rathauses, um eine Präsentation der ausgewerteten Befragungsergebnisse zu erhalten. Die Kölner Sportdezernentin Agnes Klein begrüßte das Wissenschaftler-Team, nicht ohne die Randbemerkung in Bezug auf Peter Pfeifer im Kölner Stadt-Anzeiger, dass ihrer Ansicht nach Köln doch eine Sportstadt sei.

„Wir wollen die Stadt in Bewegung bringen, Bewegungsräume schaffen und dem Sport den Stellenwert verschaffen, der ihm zusteht.“

Professor Robin Kähler stellte das Team der Wissenschaftler und Verwaltungsexperten vor und schickte voraus, dass derzeit „die Umsetzung in der Verwaltung nur mit großen Hindernissen“ von statten gehe. Von der neuen integrativen SEP erwarte er sich jedoch eine große Dynamik. Integrativ ist die Planung insofern, als sie die Bereiche der Sportvereine, der Schulen und Kitas, des unorganisierten Sports sowie der Stadt Köln gesondert und in Wechselwirkung zueinander erfasst.

Als Leitbild für den Sport in Köln wurde das Motto „Lebensfreude in Bewegung“ präsentiert. Am Ende der Veranstaltung konnten die interessierten Gäste mit den Experten an vier Schautafeln diskutieren und die bisher abgeleiteten Detailergebnisse mit Punkten bewerten und ergänzen

Die Präsentation von circa 15 Prozent der Gesamtergebnisse nahm Professor Lutz Thieme vor, der zunächst Einschränkungen einräumte, wonach an der Befragung fast keine unter 21-Jährige und über 80-Jährige teilgenommen hätten. Darin repräsentiert seien etwa 30 Prozent der Mitglieder aus nur 15 Prozent der Vereine – kein sehr guter, aber auch kein sehr schlechter Wert. Schwimmbäder waren ausdrücklich nicht Teil der Untersuchung. Er unterschied die Zufriedenheit mit dem Sportangebot in der Stadt und im Stadtbezirk; die Untersuchung differenziert nicht bis in den Stadtteil hinein:

„Ausreichend ist vielleicht noch eine gute Beschreibung dessen, was die Kölnerinnen und Kölner zur Zufriedenheit mit ihren Sportstätten äußern.“

Dies sei eine typische Wahrnehmung von öffentlichen Sportstätten in Deutschland. In der ganzen Republik gebe es aktuell ein strukturelles Problem mit der Sanierung und Instandhaltung von Sportstätten aus den 1960er- und 70er-Jahren. Immerhin 16 Prozent der Befragten sagen, dass die Mindestqualität nicht erreicht werde, was das gefühlte Wohlbefinden mindere. Sportvereine sowie Schulen und Kitas beurteilten das vorhandene Sportangebot noch kritischer.

Wird über Sportstätten gesprochen, so sind damit zu einem Großteil auch öffentliche Räume gemeint. Bei möglicher Mehrfachnennung gaben 71 Prozent der Befragten an, in öffentlichen Räumen Sport zu treiben, und nur 44 Prozent in Turn- und Sporthallen. Umso spezifischer eine Sportstätte werde, umso weniger rege sie die breite Bevölkerung an Sport zu treiben. Eine wichtige Aufgabe sei, die Hürden zu senken, dass Menschen Sport treiben könnten.

Aus Sicht der befragten Kölnerinnen und Kölner sollten vor allem der selbstorganisierte Sport sowie der Schulsport vorrangig unterstützt werden. Im Detail sprachen sich jeweils knapp ein Drittel der Befragten dafür aus, Sporthallen, Schwimmbäder (hier doch abgefragt) und Sportplätze neu zu bauen respektive zu sanieren. Aktuell fehlten immerhin 28,4 Prozent der Sportvereine Sportstätten. Unter Berücksichtigung der geplanten Schulneubauten (inklusive neuer Sporthallen) lasse sich jedoch kein zusätzlicher Bedarf an Sporthallen für den Vereinssport ableiten.

Zuletzt brachte Lutz Thieme Argumente, die dabei helfen könnten, die Bedeutung des Sports zu ermitteln, bzw. ihm den angemessenen Stellenwert zu verschaffen. So spielten für die Kölnerinnen und Kölner bei der Wahl des Wohnsitzes die Fahrrad-Freundlichkeit, die Verfügbarkeit von Grünflächen, von Sportanlagen sowie von Vereinsangeboten eine größere Rolle als kulturelle Aspekte. „Das hat uns doch etwas überrascht“, sagte Lutz Thieme.

Abschließend präsentierte er eine Berechnung der sportbezogenen Ausgaben von sportaffinen und weniger sportaffinen Menschen. Sportlich Aktive gäben durchschnittlich rund 1.000 Euro pro Jahr für den Sport aus, wovon rund 700 Euro in Köln blieben. Dies ergibt eine Schätzung von rund 492 Millionen Euro, die die Kölner Bevölkerung jährlich für Sport investiert. Der Wert des ehrenamtlichen Engagements, würde es durch bezahlte Arbeit ersetzt, beträgt als Äquivalent bei einem Stundenlohn von 14 Euro pro Stunde rund 410 Millionen Euro.

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