post Kategorie: Sportpolitik post Kommentare deaktiviert für Zwischen Irrsinn und Unsinn post14. Mai 2020

Die Regelungen zur Wiederaufnahme des Sports in NRW werden von vielen Sporttreibenden begrüßt. Allerdings scheint eine Rückkehr zum Vollkontakt und zum Wettbewerbssport bereits ab 30. Mai 2020 unsinnig. Und die Umsetzung eines Hygieneschutz-Konzepts durch die Vereine grenzt an Irrsinn.

Warum das so ist, wird hier mit Ausschnitten aus aktuellen Zeitungsberichten belegt. In der Westdeutschen Zeitung Wuppertal schreibt Günter Hiege am 8. Mai 2020:

„Niemand darf verkennen, dass die Verantwortung dadurch nun von der Politik auf die Kommunen und auf die Vereine abgewälzt wird. Angelehnt an die Empfehlungen der Fachverbände und unter Oberaufsicht der Stadt, muss sich da jeder den Weg suchen, den er mit der Gesundheit seiner Sportler vereinbaren kann.“

Die Crux dabei: In NRW besteht keine Obergrenze zum Sporttreiben. In der Corona-Schutzverordnung ist nur von 10 m² Mindestfläche pro Person die Rede. Es wird nur vorgegeben, die Trainingsgruppen zu verkleinern, jedoch nicht wie stark. Dabei ist durch Distanzregeln und die Gewährleistung von Desinfektion für eine Minimierung von Ansteckungsrisiken zu sorgen. Die Verantwortung der Umsetzung muss der Verein in die Hände der Übungsleitenden legen. Julian Tilders schreibt beim WDR online am 11. Mai 2020, dass die NRW-Sportvereine zwiegespalten sind.

„Es sind diese strikten Vorgaben, die den einen oder anderen Verein in NRW abhalten, die Rückkehr zum Trainingsbetrieb einzuleiten. So heißt es in einer Mitteilung des Fußball-Oberligisten TuS Ennepetal: „Die Anforderungen und Risiken sind schlicht zu hoch.“ (…)

So schreibt die Jugendspielgemeinschaft St. Tönis (nahe Krefeld) auf ihrer Internetseite, sie sehe neben den „praxisfernen“ Auflagen des Landessportbundes NRW „die Haftung unserer Trainer“ und Ehrenamtlichen als „K.o.-Kriterium“ für die Aufnahme des Trainingsbetriebes vor dem 30. Mai an.“

Doch was hat es mit dem Starttermin des Vollkontaktsport und des Wettkampfsports im Amateur- und Jugendbereich auf sich? Dazu schreibt Jürgen Polzin in der Iserlohner Kreis-Zeitung am 8. Mai 2020:

„Die Öffnung kommt viel zu schnell und sendet eine gefährliche Botschaft. Pfingsten also wird sich das Coronavirus endlich in Luft aufgelöst haben. Dann ist in Nordrhein-Westfalen alles wieder dufte und alles wieder offen. Und da ab dem 30. Mai auch Vollkontakt-Fußball gespielt werden darf, klappt es ja noch mit den gut besuchten Jugendturnieren rund um das lange Feiertags-Wochenende. – Um Himmels Willen!“

Ebenfalls am 8. Mai 2020 wird in der Westdeutschen Allgemeinen vom „Blanken Irrsinn“ geschrieben, wie der Dortmunder Kreisjugendvorsitzende Andreas Edelstein diese Öffnung nennt. Das Blatt hat auch mit dem Präsidenten des Westfälischen Leichtathletik und Fußball-Verbandes Gundolf Walschewski gesprochen:

„Was wie eine „frohe Botschaft“ wirke, entpuppe sich bei genauem Hinsehen als „voreilig, unausgegoren und hoch riskant“. Zudem stünden viele offene Fragen im Raum, etwa nach dem Prozedere im Fall neuer positiver Tests. „Die Mitteilung der Landesregierung wirft für unseren Fußballverband mehr Probleme auf, als sie löst“, sagte Verbandsvorsitzender Walaschewski.“

Aus Vereinssicht wird Frank Figge, Handball-Abteilungsleiter des ASC 09 Dortmund, am 8. Mai 2020 noch deutlicher, in einem offenen Brief an die Landesregierung Laschet. Darin scheibt er unter anderem:

„Nur zur Verdeutlichung: Dieselben Kinder und Jugendlichen, für die es am 30. Mai noch keinen geregelten Schulunterricht geben wird, sollen dann am Nachmittag zum Training in die Sporthallen kommen, wo sie face-to-face in den Zweikampf gehen. Wo die Aerosole nur so durch die Luft fliegen. (…) Von Abstand und Hygiene sind wir da so weit entfernt wie die Erde vom Mars.“

„Aber wie soll ein Breitensportverein die Standards gewährleisten?! Unser Trainingsbetrieb ist auf sechs Hallen in Dortmund verteilt. Wie sollen wir in sechs Hallen die Einhaltung der Hygienestandards überwachen?! Welche Verantwortung wälzen Sie da auf uns Ehrenamtler ab?! Am Ende, wenn die Infektionszahlen wieder steigen, wird es heißen: Die Sportvereine sind Virenschleudern.“

Im Bonner General-Anzeiger hat Simon Bartsch am 11. Mai 2020 den Kölner Sportmediziner Wilhelm Bloch interviewt. Er urteilt:

„Das ist eine absolut falsche Entscheidung. Wie will man das denn kontrollieren? Es sind Kontaktsportarten. Das heißt, es gibt Kontakt. Man kommt sich sehr nah, zu nah. (…) Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. – Ich hätte mir gewünscht, dass die Lockerungen erst später und anders abgestuft in Kraft treten. Im Gesamtkonzept sind diese Maßnahmen einfach nicht nachvollziehbar. Das Risiko ist aktuell einfach noch zu hoch.“

Zuletzt: Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung Essen schreibt am 14. Mai 2020, „Fußball, Handball, Schwimmen: Was für Sportler in NRW gilt“. Allerdings sind die Vorgaben der Spitzenverbände nur Empfehlungen. Zum Starttermin des Wettkampfsports am 30. Mai steht da jedoch etwas ausführlicher:

„Allerdings: Ob diese Regeln in der Umsetzung auch von den kommunalen Gesundheitsämtern so akzeptiert werden, ist noch nicht endgültig entschieden. Dafür ist die vom LSB geforderte „eineindeutige“ Verankerung der Wiederaufnahme des Sports nach Vorgabe der Fachverbände in die Corona-Verordnung des Landes NRW zwingend notwendig.“

Per online Voting wird auf der dortigen Seite gefragt: Kommen die Lockerungen zu schnell? Ja sagen 69% , Nein 31%.

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